Der Ursprung
Ein Morgen auf Wackerstein, ein Licht im Nordflügel und eine Beobachtung, die niemand laut aussprechen will.
Ein düsterer Roman über Schuld, Schweigen und das Echo der Geschichte. Zwischen Schlossmauern, Nebel und alten Akten öffnet sich eine Spur, die von 1830 bis in die Gegenwart reicht.
Auf Wackerstein beginnt ein alter Fall nicht mit einem Schrei, sondern mit einem Schweigen. Ein herrschaftliches Anwesen, ein verschwundener Blick hinter verschlossenen Türen und eine Wahrheit, die sich nicht in eine einzige Zeit einordnen lässt.
Manuela Wolter verbindet historische Krimi-Spannung mit einer modernen Spurensuche: Archivstaub, Familiengeheimnisse, feuchte Steinmauern und die Frage, wie lange verdrängte Schuld weiterwirkt.
Die Bildwelt von Wackerstein ist kalt und gedämpft: blaues Zwielicht, dunkler Stein, warmer Goldton auf Papier. Genau dort, wo Geschichte wie Staub auf den Dingen liegt, beginnt der Verdacht.
Ein Morgen auf Wackerstein, ein Licht im Nordflügel und eine Beobachtung, die niemand laut aussprechen will.
Alte Unterlagen, brüchige Erinnerungen und ein Ort, an dem jedes Detail eine zweite Bedeutung haben kann.
Nicht jede Wahrheit verschwindet. Manche wartet nur darauf, dass jemand mutig genug ist, sie zu lesen.
Auszug · Jordanstraße 13
Hoch oben auf dem Jurafelsen thronte das herrschaftliche Schloss Wackerstein. Unten in den Donauauen lag der Nebel so schwer auf den Wiesen, als hätte jemand ein graues Tuch über das Land gezogen. Die ersten Knechte waren bereits auf den Beinen. In den Ställen scharrten die Pferde, Holz knarrte im Wind, und aus den Schornsteinen stieg Rauch in den fahlen Morgen.
Georg Wagner blieb vor dem Stallgebäude stehen und zog den Mantel enger um die Schultern. Der Geruch von feuchtem Stein, Pferdeschweiß und kalter Erde hing in der Luft. Seit Wochen schlief er schlecht. Auf dem Gut wurde zu viel geflüstert und zu wenig gesagt. Gespräche endeten, sobald er in die Nähe kam. Türen fielen zu, bevor er eine Hand auf die Klinke legen konnte.
Aus einem der oberen Fenster fiel noch Licht auf den Innenhof. Es war das falsche Fenster zur falschen Stunde. Der Nordflügel lag sonst dunkel, bis die Herrschaft erwachte. Heute aber brannte dort ein schmaler, gelber Streifen, als hätte jemand die Nacht nicht verlassen können.
Der alte Stallknecht Lorenz kam ihm entgegen. Seine Hände zitterten, obwohl er sie tief in den Ärmeln verborgen hielt. Er sah nicht zum Schloss hinauf. Gerade das machte Georg aufmerksam.
„Ist etwas passiert?“ fragte Georg.
Lorenz blieb stehen. Für einen Moment war nur das unruhige Atmen der Pferde zu hören.
„Im Nordflügel brennt noch Licht“, sagte er schließlich.
Georg sah hinauf. „Und?“
„Seit gestern Abend.“
Der Wind strich über den Hof und nahm die letzten Geräusche des Morgens mit sich. Hinter dem hellen Fenster bewegte sich ein Schatten. Dann erlosch das Licht.
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